Arbeit für Jugend

Bericht der SZ vom 31.05.06 über die Aktion "Arbeit für Jugend"

Fitnessprogramm für Hauptschüler 

In Pullach soll ehrenamtliches Coaching die beruflichen Chancen der Absolventen erhöhen

von Jürgen Wolfram

Pullach  Die beruflichen Aussichten von Hauptschülern sind ungünstiger denn je. An der Josef-Breher-Schule in Pullach versinkt man deshalb nicht in Depression, sondern setzt dem Trend ein Ertüchtigungsprogramm entgegen. "Arbeit für Jugend" oder "Coaching für Hauptschüler" heißt die Aktion, bei der außer Lehrern und Berufsberatern vor allem Privatleute mitmachen. Sie bieten den Jugendlichen Orientierung, unterstützen sie beim qualifizierenden Schulabschluss und helfen bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz.
Den Anstoß zu den konzertierten Bemühungen gab der Sprecher der Agenda 21 Pullach, Bert Eisl. Er hatte von einem derartigen Projekt in Wolfratshausen erfahren und dessen Nachahmung propagiert. Die Initiative zeigte rasch Erfolg. Inzwischen sind außer Lehrern über 20 Bürger in die Aktion eingebunden, darunter Juristen und eine Kauffrau. Schulleiter Werner Mitterreiter spricht von einer "glücklichen Fügung", die Betriebswirtin Ursula Most von "toller Resonanz".
Mitterreiter, seit 1979 an der Josef-Breher-Schule, hat über die Jahre verfolgt, wie der Stern der Hauptschüler gesunken ist. "Vor 20 Jahren war es für unsere Jungen und Mädchen noch kein Problem, eine Stelle zu finden", erinnert er sich. Heute hingegen gestalte sich die Jobsuche für die Absolventen häufig als persönliches Drama. Um so bedeutsamer sei die fürsorgliche Assistenz von Initiatoren wie Bert Eisl, Ursula Most und Ruth Schweiger oder auch von Organisationen wie dem Lionsclub.
Das Coaching der Hauptschüler, das langfristig über die neunte Klasse hinaus reichen soll, hat mittlerweile konkrete Züge angenommen. Mit dem Einverständnis der Eltern kümmern sich die ehrenamtlichen Helfer individuell um ihre Schützlinge. Der persönliche Kontakt klappt nicht in allen Fällen auf anhieb, auch dürften mangels Leistungsbereitschaft und -fähigkeit heuer nicht alle Schüler den qualifizierenden Abschluss schaffen. Doch die meisten von ihnen arbeiten inzwischen an ihrer Zielstrebigkeit, korrigieren irrige Vorstellungen ihrer beruflichen Möglichkeiten.
In der entspannten Atmosphäre einer bunt durchmischten, räumlich gut ausgestatten Stadtrand-Schule mit 146 Schülern in sieben Klassen werden beispielsweise Vorstellungsgespräche simuliert und Praktika vorbereitet. Von Zeit zu Zeit treffen sich auch die ehrenamtlichen Coaches. Dann steht der Erfahrungsaustausch im Vordergrund. "Das Image der Hauptschule ist schlechter als ihre tatsächliche Verfassung", hat Ursula Most bereits festgestellt. Auch wenn es immer noch die Ausnahme ist, dass ein Absolvent über Umwege beim Maschinenbau-Studium landet.

 




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